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Pressestimmen
Bericht im Südstadtmagazin
Tradition will gepflegt sein - 125 Jahre St. Josefshaus
"Bei uns wird sie gepflegt", sagt Marianne Ricking, die Leiterin der Kindertagesstätte an der Eiche. Sie arbeitet seit 26 Jahren in der Einrichtung. "Heute kommen die Kinder der früheren Kinder zu uns. Die Eltern von heute haben vor 25 Jahren die 100-Jahr-Feier mitgestaltet. Generationen miteinander auf dem Weg - das ist das besondere Kennzeichen des St.Jofeshauses im Severinsviertel" meint Marianne Ricking nicht ohne Stolz.
Kölns älteste Kindertagesstätte feiert ihr 125 jähriges Jubiläum mit einem Tag der offenen Tür am 20. Mai 2006.
Seit 1881 besteht die Einrichtung. Sie wurde von zwei Kölner Familien ins Leben gerufen. Noch heute stehen Nachfahren der Familien der Stiftung vor; sie ist Träger der Einrichtung.
150 Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren werden in dieser Einrichtung betreut - in fünf Kindertagesstätten - und zwei Hortgruppen. Um diese Kinder kümmern sich 19 pädagogische und 4 hauswirtschaftliche Mitarbeiter/innen.
Zur Stiftung St. Josefshaus gehört ebenfalls ein Altenheim, in dem z. Zt. 33 alte Menschen leben. "Hier wird das Miteinander der Generationen ganz selbstverständlich seit Jahrzehnten gelebt", sagt Pastor Johannes Quirl, Vorsitzender der Stiftung.
Notwendig wurde diese Einrichtung, als zur Zeit der Industrialisierung Arbeiter und deren Familien ins Veedel kamen. Damals herrschte große Not, Sozialeinrichtungen und Gewerkschaften, die sich für die Interessen der Arbeiter einsetzten, fehlten. Insbesondere um die vielen Kinder kümmerte sich niemand, da die Eltern meistens beide arbeiten mussten .Dieser Not nahmen sich der damalige Pfarrer von St. Severin, Pastor Hüpgen, und die Familien Greven und Schülgen, die damals im Veedel wohnten,an.1860 wurde die erste "Kinderverwahranstalt" eingerichtet, die sehr erfolgreich war. Während des Kulturkampfes wurde die Einrichtung vom preußischen Staat geschlossen.
Ende 1881, also vor nunmehr 125 Jahren, nahm das St. Josefshaus unter der Leitung von vier Schwestern der Kongregation der Christlichen Liebe (Mallikckrodt -Schwestern aus Paderborn) die Arbeit mir den Kindern wieder auf. Die Stifterin des Ordens, Pauline von Mallinckrodt, setzte sich noch kurz vor ihrem Tode für die Einrichtung ein. Die Wirren der 1.Weltkrieges und die nachfolgende Notüberlebten die Schwestern trotz großer Probleme. Zwischenzeitlich war noch ein Altenheim mit 33 Plätzen angegliedert worden.
Die Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft überstand die Einrichtung dank vieler mutiger Hilfen der Bevölkerung des Vringsveedels trotz häufiger Unterdrückungsversuche bis 1943. Der Charakter einer privaten Einrichtung bewahrte den Kindergarten vor dem Schlimmsten - der Übernahme durch den Staat.
Pastor Quirl: "Heute ist unsere Kindertagesstätte ein Spiegelbild des vielfältigen, bunten Miteinanders in der Südstadt. Die religiöse Prägung war und ist uns als Stiftung ein wichtiges Anliegen."
"Für die Kindertagesstätte bedeutet religionspädagogische Arbeit nicht ausschließlich das Vermitteln von biblischen Geschichten", darauf legt Marianne Ricking als Leiterin wert. "Für uns ist es wichtig, im täglichen Miteinanderleben und Spielen den Glauben erfahrbar zu machen."
Die Plätze in der Kindertagesstätte sind sehr gefragt; nicht alle anfragenden Kinder können berücksichtigt werden. (mr)
Bericht in der Kölnischen Rundschau
Von Kindesbeinen an im selben Haus.
125 Jahre Josefshaus: Problemloses Miteinander von Kindern und älteren Menschen.
von Angela Staub
ALTSTADT-SÜD. Sie leben alle unter einem Dach: 155 Pänz in der Tagesstätte und 33 Bewohner des Seniorenheims. Ihr Altersunterschied ist beträchtlich: Der Jüngste zählt zwei, die Älteste 100 Jahre. Gemeinsam aber fieberten zuletzt sowohl die Kleinen wie auch die Bewohner des Josefshaus dem 125-jährigen Bestehen der Kindertagesstätte entgegen: Genau vor 125 Jahren, also 1881, wurde die Pforte erstmals geöffnet.
Dabei war an gleicher Stelle bereits 21 Jahre zuvor eine "Kinderverwahranstalt" gegründet worden. Die aber wurde Jahre später vom preußischen Staat wieder geschlossen. Mehr Erfolg hatten hingegen vier Schwestern der Kongregation der Christlichen Liebe, als sie 1881 unter der Trägerschaft der Stiftung St. Josef die heutige Kindertagestätte gründeten. Damals ahnte noch niemand, dass bereits nach dem Ersten Weltkrieg dort auch Senioren einziehen würden.
Heute gilt die Kindertagesstätte im "Josefshaus" mit sieben Gruppen - fünf in der Kita, zwei im Hort - als eine der größten Kölns und, wie die Verantwortliche betonen, sogar als die älteste der Stadt.
Wie aber kommen die beiden Generationen miteinander aus? "Ich erlebe das Miteinander als sehr lebendig", sagt Marianne Ricking, Leiterin der Kindertagesstätte. Das Außergewöhnliche Zusammenleben sei mittlerweile "gewachsene Tradition - nicht übergestülpt, sondern ganz selbstverständlich". Bei schönem Wetter wird Rickings Schilderung lebendig: Einige Kinder tollen sorglos im Sandkasten herum. während ihnen Heimbewohner von den Bänken aus zuschauen. Rollator, Gehilfen oder Rollstuhl: Für die Kleinen kein Problem. Im Gegenteil. Gerne spielen die beiden Generationen miteinander - auch draußen - "Mensch-ärgere-dich-nicht" oder andere Gesellschaftsspiele. Eine weitere Gemeinsamkeit, so Ricking, sei das Interesse an Märchen: Wenn die Märchenerzählerin in Haus kommt bricht - egal auf welcher Etage- große Freude aus.
Die Kita schreibt als katholische Einrichtung religionspädagogische Erziehung groß. Nicht nur mittels biblischer Geschichten, sonder besonders im alltäglichen Leben: "Wir bringen den Kindern bei", erklärt Ricking, " dass da noch andere sind, auf die sie ihren Blick werfen müssen." Kein Zufall also, dass der Spielplatz über Mittag verwaist bleibt. Denn: Die Kleinen wissen genau, dass dann - direkt über ihnen - Mittagsruhe gehalten wird. Im Gegenzug akzeptieren die Senioren sonst das Kindergeschrei auf dem Hof.
Heimbewohnerin Elsabeth Dominik winkt dazu wohlwollend ab: "Das macht mir nichts." Fast 80 der 125 Jahre, die die Kindertagesstätte nunmehr besteht, hat die 80-Jährige miterlebt: Zum ersten Mal betrat sie die Einrichtung mit zwei Jahren. Kaum war Dominik später auch dem Hort entwachsen, engagierte sie sich an gleicher Stätte als Helferin. Selbst als Mitarbeiterin der Firma Stollwerck putzte sie noch jeden Freitag die Räume oder nahm auch kleinere Reparaturen vor. Auch ihren Urlaub opferte sie, um mit Hortkindern auf Freizeit zu fahren. Seit 1966 wohnt sie im "Josefshaus", ihrer "zweiten Heimat". Erst half Dominik noch im Altenheim als Pflegekraft mit, dann wurde sie selbst pflegebedürftig. Nach wie vor aber fühlt sich die ältere Dame wohl im munteren Miteinander der Generationen. Heute wird das Jubiläum gefeiert. Es beginnt um 11 Uhr mit einem Gottesdienst.
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